Projekte
Internationales Walther Bensemann Gedächtnisturnier 2025
Am DFB Campus
Vom 5. bis 7. September 2025 fand am DFB-Campus in Frankfurt am Main das Internationale Walther Bensemann Gedächtnisturnier statt. Sechs U17-Mannschaften – Eintracht Frankfurt, der 1. FSV Mainz 05, Kickers Offenbach, der FSV Frankfurt, Slavia Prag und Maccabi Tel Aviv – kamen zusammen. Sie traten sportlich gegeneinander an, aber noch viel mehr: Sie begegneten sich auf einer Ebene, die weit über den Fußball hinausgeht.
Erinnerung und Verantwortung
Das Turnier würdigte das Vermächtnis Walther Bensemanns (1873–1934). Als Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes, Initiator internationaler Begegnungen und Gründer des „kicker“ stand er wie kaum ein anderer für ein weltoffenes, europäisches und humanistisches Verständnis des Sports. Als Jude musste er nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 ins Exil fliehen, wo er 1934 verstarb. Sein Erbe ist heute aktueller denn je: Fußball als Brücke zwischen Menschen, als Gegenmodell zu Nationalismus, Hass und Ausgrenzung (Mehr zur seiner Biografie hier).
In diesem Geist begann das Turnierwochenende mit einem Bildungsprogramm. Spieler und Trainer erlebten intensive Begegnungen mit Holocaust-Überlebenden und Nachkommen: Éva Szepesi, Henriette Kretz, Mina Gampel, Pavel David Sivor, Leonid Vinderman, René Kaufmann, Mirjam Heydorn, Pieter Dietz de Loos und Romani Rose teilten ihre Lebensgeschichten. Ihre Worte waren Mahnung und Auftrag zugleich: Erinnerung ist keine Pflicht gegenüber der Vergangenheit, sondern Verantwortung für die Gegenwart.
Workshops von „Zusammen1“ und weiteren Partner*innen thematisierten Antisemitismus, Rassismus, Rechtsextremismus und Sexismus im Fußball und zeigten Wege der Prävention auf. Die Spieler erlebten, dass sie nicht nur Sportler sind, sondern auch Verantwortungsträger, die auf und neben dem Platz Haltung zeigen müssen.
Gemeinschaft erleben
Ein bewegender Moment war der gemeinsame Kabbalat Shabbat am Freitagabend. Alle Mannschaften saßen zusammen, viele Spieler erlebten zum ersten Mal eine jüdische Zeremonie. Dieser Abend machte jüdisches Leben im Sport sichtbar und zeigte: Erinnerungskultur ist lebendig und inklusiv. Sie schafft Gemeinschaft über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg.
Sportliche Höhepunkte











Natürlich wurde auch Fußball gespielt – leidenschaftlich, fair und mitreißend. In den Vorrunden und Halbfinals gab es enge Spiele und große Emotionen. Mainz 05 und Maccabi Tel Aviv lieferten sich ein spannendes Elfmeterschießen um Platz 3, während Slavia Prag und Kickers Offenbach im Finale um den Titel kämpften. Am Ende ging es um mehr als Ergebnisse: Es ging um Fairplay, Respekt und den gemeinsamen Geist des Turniers.
Ein Zeichen setzen
Nach dem Turnier kam es noch zu einem besonderen Freundschaftsspiel zwischen Makkabi Frankfurt, dem größten jüdischen Sportverein der Stadt, und Maccabi Tel Aviv. Vor Anpfiff setzten beide Teams ein starkes Zeichen für die Geiseln in Gaza: Mit der gelben Schleife und der Botschaft „Bring them home. Now.“ wurde gezeigt, dass Fußball Haltung sichtbar machen kann. Ein Bekenntnis für jüdisches Leben, gegen Antisemitismus, für Frieden für alle Menschen im Nahen Osten. Nur eine Woche zuvor hatte in Frankfurt am Main eine antisemitische Demonstration stattgefunden.
TODA RABA
Möglich wurde dieses Wochenende durch die enge Zusammenarbeit von DFB, DFB-Kulturstiftung, MAKKABI Deutschland e.V., der Initiative !NieWieder und dem Präventionsprojekt Zusammen1. Sie alle verbindet die Überzeugung, dass Sport eine integrative Kraft hat und Verantwortung für die Gesellschaft trägt.
Das Internationale Walther Bensemann Gedächtnisturnier 2025 war ein Wochenende der Begegnung, der Erinnerung und des Sports. Es setzte ein unübersehbares Zeichen: Nie wieder Ausgrenzung, nie wieder Antisemitismus, nie wieder Hass. Stattdessen: Vielfalt, Respekt und das Bewusstsein, dass jede Generation Verantwortung übernimmt – auf und neben dem Spielfeld.
Foto- Credits: Robert Poticha // DFB – Neil Baynes – Getty Images